Frauencafé in Idar-Oberstein: Ein geschützter Raum, der Vertrauen schafft und Teilhabe ermöglicht

Ankommen, Kontakte knüpfen, Fragen stellen und sich mit den eigenen Erfahrungen verstanden fühlen: Das Frauencafé in Idar-Oberstein bietet geflüchteten Frauen einen geschützten Raum für Begegnung, Austausch und gegenseitige Stärkung. Das gemeinsam vom Psychosozialen Zentrum (PSZ) Westpfalz des DRK-Kreisverbandes Kaiserslautern Stadt e. V. und der Migrationssozialarbeit des DRK-Kreisverbandes Birkenfeld in Zusammenarbeit mit der Stadt Idar-Oberstein entwickelte Angebot findet alle zwei Wochen (in den geraden Kalenderwochen) dienstags von 14 bis 16 Uhr, im Seminarraum der Stadtbibliothek, in der Hauptstraße 373a in der Obersteiner Fußgängerzone statt. Die nächste Veranstaltung findet am Dienstag, 10. November statt. Von Beginn an stieß das Café auf große Resonanz, was zeigt, wie dringend niedrigschwellige und frauenspezifische Begegnungsmöglichkeiten benötigt werden.

Begegnung auf Augenhöhe – offen, freiwillig und alltagsnah

Das Frauencafé richtet sich an Frauen unterschiedlicher Altersgruppen, Herkunftsländer und Lebenssituationen. Manche sind erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen, andere leben bereits seit Jahren hier. Was sie verbindet, ist häufig der Wunsch nach Orientierung, sozialen Kontakten und einem Ort, an dem sie offen sprechen können, ohne sich erklären oder rechtfertigen zu müssen. Auch ihre Kinder können die Frauen jederzeit mitbringen. Damit wird eine wichtige Voraussetzung geschaffen, damit möglichst viele Frauen das Angebot nutzen können. Anders als bei einem klassischen Kursangebot stehen im Frauencafé die Frauen selbst und ihre Anliegen im Mittelpunkt. Die Gespräche entwickeln sich aus den Themen, die sie beschäftigen: Fragen zum Alltag in Deutschland, zu Rechten, Gesundheit, Familie und Sprache gehören ebenso dazu wie persönliche Erfahrungen und Herausforderungen. Darüber hinaus werden Themen wie Frauenrechte, Selbstfürsorge, Stressbewältigung und gesellschaftliche Teilhabe aufgegriffen.

Ziel ist es nicht allein, Informationen weiterzugeben. Die Frauen sollen auch ihre eigenen Stärken entdecken, Vertrauen aufbauen und erfahren, dass sie ihr Leben aktiv mitgestalten können.

Ein erster Schritt zu weiterer Unterstützung

Das Frauencafé ist eng mit der psychosozialen Arbeit des PSZ Westpfalz verbunden. Das Zentrum unterstützt insbesondere geflüchtete Menschen, die durch Flucht, Gewalt, psychische Belastungen oder traumatische Erlebnisse besonders schutzbedürftig sind. Durch regelmäßige Begegnungen können Unterstützungsbedarfe frühzeitig erkannt werden. Wenn Frauen weitere Beratung benötigen, können sie behutsam an die entsprechenden Angebote des PSZ Westpfalz herangeführt werden. Für viele ist das Frauencafé damit ein erster wichtiger Schritt: Es ermöglicht, Vertrauen zu entwickeln und Unterstützung in Anspruch zu nehmen, die zuvor möglicherweise nur schwer erreichbar war. Dass das Angebot ausschließlich Frauen offensteht, hat einen konkreten Hintergrund. Erfahrungen aus der Beratungsarbeit zeigen, dass Frauen in gemischten Gruppen ihre Anliegen mitunter nicht ausreichend einbringen können. Hinzu kommen kulturelle und familiäre Rahmenbedingungen, die die Teilnahme an gemischten Angeboten erschweren oder verhindern. Ein geschützter Frauenraum schafft hier zusätzliche Möglichkeiten für offene Gespräche, Beteiligung und gegenseitige Unterstützung.

Gemeinsam erfolgreich gestartet

Entstanden ist das Frauencafé aus der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit des PSZ Westpfalz mit dem DRK-Kreisverband Birkenfeld und der Migrationssozialarbeit der Stadt Idar-Oberstein. Ein besonderer Dank gilt dem DRK-Kreisverband Birkenfeld, der im vergangenen Jahr Räumlichkeiten für die Beratungsangebote zur Verfügung stellte. Diese Unterstützung sowie der engagierte Austausch mit Monique Großmann, beauftragt durch die Stadt Idar-Oberstein, und Mandali Baumgardt haben wesentlich dazu beigetragen, das Frauencafé aufzubauen und erfolgreich zu starten. Die Erfahrungen aus Idar-Oberstein decken sich mit denen vergleichbarer Angebote in anderen Landkreisen: Geschützte Begegnungsräume für geflüchtete Frauen werden vielerorts dringend benötigt. Der große Zuspruch bestätigt, dass niedrigschwellige Angebote eine wichtige Lücke schließen.

Hohe Nachfrage macht weiteren Unterstützungsbedarf sichtbar

Das Frauencafé soll auch künftig als offener Begegnungsraum gestärkt und gemeinsam mit den Teilnehmerinnen weiterentwickelt werden. Ihre Interessen, Wünsche und Ideen sollen noch stärker in die Gestaltung der Treffen einfließen. Gleichzeitig stößt das Angebot angesichts der hohen Nachfrage teilweise an seine Kapazitätsgrenzen. Um möglichst vielen Frauen die Teilnahme zu ermöglichen, braucht es langfristig verlässliche Finanzierungsstrukturen, geeignete Räumlichkeiten und ausreichende personelle Ressourcen. Auch ergänzende Angebote wie niedrigschwellige Kinderbetreuung, Sprachmittlung und weitere Begegnungsmöglichkeiten könnten die Teilhabe erleichtern. Das Frauencafé steht für zentrale Werte des Deutschen Roten Kreuzes: Menschlichkeit, Unparteilichkeit und Offenheit. Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Aufenthaltsstatus zu unterstützen und besonders schutzbedürftigen Gruppen Zugang zu Hilfe und gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen, ist dabei ein wesentlicher Bestandteil der gemeinsamen Arbeit. Das Frauencafé in Idar-Oberstein zeigt: Integration beginnt nicht immer mit einem Kurs oder einem Beratungsangebot. Oft beginnt sie mit einer Begegnung, einem offenen Gespräch und dem Gefühl, willkommen zu sein. Rückfragen beantwortet Monique Großmann gerne per Mail grossmann@drk-kv-birkenfeld.de oder telefonisch unter 06781-506020.

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