Über den Winter führten die Klassen der Jahrgangsstufe 6 und die Klasse 10a der Realschule plus Idar-Oberstein, Rostocker Straße, jeweils dreitägige Bildungsprojekte in der Jugendfreizeitstätte des Kreises Birkenfeld in Hattgenstein durch. Die Projekte wurden zwar altersgemäß angepasst, hatten aber ein weitestgehend identisches Programm im Zeichen demokratischer Entscheidungs- und Umgangsformen. Hierzu wurden jeweils mehrere Programmpunkte bearbeitet.
Im Planspiel „Democracity“ standen die Schülerinnen und Schüler vor der Aufgabe, eine Auswahl unterschiedlichster Institutionen begründet in einer fiktiven Stadt anzusiedeln. Dabei musste unter anderem ausgehandelt werden, welche Einrichtungen auch tatsächlich realisiert werden, denn die Stadt verfügte – wie im wahren Leben – natürlich nur über einen begrenzten Etat. Ebenso musste für die ausgewählten Institutionen ein geeigneter Standort gefunden werden. Schnell kamen die Lernenden überein, dass die Müllverbrennungsanlage ebenso wenig ins Stadtzentrum gehört, wie eine Kindertagesstätte an die stark befahrene Ausfallstraße. Aber ist der bessere Standort für eine Vertretung der Europäischen Union nun der Stadtrand – wo man ungestörter arbeiten könnte – oder doch eher zentrumsnah – um Europa in die Herzen der Menschen zu bringen, indem Europapolitik im Herzen der Stadt gemacht wird? Fragen wie diese gaben Anlass zu lebhaften Diskussionen und neuen Einsichten.
In einem weiteren Planspiel wurde der Mikrokosmos noch weiter verkleinert und zugleich für die Schülerinnen und Schüler begreifbarer gemacht: Statt im Rahmen einer ganzen Stadt verhandelten nun verschiedene Interessensgruppen im Rahmen einer fiktiven Schule. Fokus der Verhandlungen war es, einen Raum im Schulgebäude einer neuen Nutzung zuzuführen. Nun ist Platz in Bildungseinrichtungen immer ein rares Gut, daher diskutierten verschiedene Gruppen aus Schülerschaft, Lehrerschaft und nichtpädagogischem Personal mit großem Engagement. Im Anschluss wurde über die verschiedenen Nutzungsvorschläge abgestimmt. Daraus ergab sich im Projekt der 10a ein Kompromiss, nach dem die Schülerschaft den Raum abwechselnd als ruhigen Rückzugsraum in Pausen und als Bandprobenraum im Nachmittagsbereich nutzen darf. Ein tolles Ergebnis für alle Beteiligten, auch für die in der Diskussion unterlegenen Interessensgruppen.
Im abschließenden Inhaltsblock beschäftigte sich die Lerngruppe mit den gerade im Internet immer stärker um sich greifenden Phänomenen Fake News und Hate Speech. Deren Verbreitung wurde unterstrichen durch die vielfachen Beobachtungen und teils eigenen Erfahrungen, die die Kinder und Jugendlichen im Stuhlkreis mitteilten. Im sich anschließenden Input zum Umgang mit Fake News wurde bewusst: Fakes einfach zu ignorieren reicht nicht aus! Es braucht sachliche Gegenrede und Richtigstellungen, um den Algorithmus der KI zu beeinflussen. Und wer sich nicht mit einem eigenen Post exponieren möchte, erzielt durch Unterstützung bereits existierender Posts, etwa durch Teilen oder die Vergabe von Likes, den gleichen Effekt.
Bei allem Bildungswert der Projekte kamen aber auch die Freizeitaktivitäten nicht zu kurz. Wanderungen und Teamsport auf dem Außengelände, Spieleabende mit Karten-, Brett- und Aktionsspielen sowie gemeinschaftliches Stockbrotgrillen – trotz winterlicher Temperaturen während der Projektphase der 10a – sorgten dafür, dass die Zeit wie im Nu verging.
Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte bedanken sich herzlich bei Professorin Tomke Lask und Gerold Lofi für deren fachliche Begleitung während der drei Tage. Ein Dank gilt ebenso der Lokalen Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Birkenfeld, die das Projekt mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell unterstützt hat. Zuletzt noch ein Dankeschön an das Team der Jugendfreizeitstätte Hattgenstein, welches für alle Anliegen ein offenes Ohr hatte und sich insbesondere sehr um das leibliche Wohl aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer gekümmert hat.
