In seiner kurzen Begrüßung hob OB Frühauf hervor, dass trotz der derzeitigen Unsicherheiten angesichts zahlreicher Konflikte und wirtschaftlicher Krisen auch viel Positives zu vermelden sei. Dies liege vor allem an den vielen Menschen, die sich in und für die Stadt Idar-Oberstein engagieren. Ob im Ehrenamt, in der Wirtschaft, in Partnerschaften wie mit der Artillerieschule oder in der Bürgerschaft – überall gäbe es engagierte Menschen, die sich für die Stadt einsetzen. „Als Oberbürgermeister macht es mich stolz zu sehen, wie wir auch in herausfordernden Zeiten zusammenstehen.“ Daher rief er die Anwesenden dazu auf, trotz allem mit Vertrauen und Selbstbewusstsein in das neue Jahr zu gehen. „Lassen Sie uns mutig und zuversichtlich zusammen weiter an einem starken Idar-Oberstein arbeiten.“
Zuversicht und Vertrauen zueinander

Die Neujahrsansprache für die drei Veranstalter übernahm in diesem Jahr turnusgemäß die Rhein-Zeitung. Thomas Haag, der dabei für den kurzfristig verhinderten Chefredakteur Lars Hennemann einsprang, stellte sie unter das Motto ‚Zuversicht‘. Und warf gleich die Frage auf, woraus wir diese trotz aller aktuellen Nachrichten und Widrigkeiten ziehen können. Er benannte – neben den internationalen Geschehnissen der letzten Tage – auch gleich einige Probleme: den auf tönernen Füßen stehende Sozialstaat und bröckelnden Wohlstand, die in Teilen schon absurde Bürokratie, eine auslaufende Nachkriegsordnung sowie die Tatsache, dass die bisher praktizierte Scheckbuchdiplomatie ausgedient habe und wir uns wieder dringend um das Thema Verteidigung kümmern müssten. Haag warnte jedoch vor allen, die für diese Probleme einfache Lösungen propagieren. „Wir sollten diesen Lügenbaronen gründlich misstrauen.“ Er plädierte vielmehr für eine grundsätzlich andere Kultur des Miteinanders. „Und dafür brauen wir vor allem Zuversicht oder Vertrauen.“ Und zwar Vertrauen zwischen den unterschiedlichen Akteuren sowie zueinander. „Nur wenn wir uns selbst vertrauen und darüber zu alter Stärke zurückfinden oder noch vorhandene Stärke bewahren, werden wir global ein Faktor bleiben und nicht nur Spielball sein.“ Nach Ansicht von Thomas Haag werde das zwar ein langer und durchaus steiniger Weg, aber entscheidend sei, dass er wieder in die richtige Richtung führe.
Ehrungen und Auszeichnungen
Der Gemeinsame Neujahrsempfang bietet einen würdigen Rahmen für besondere Auszeichnungen. Seitens der Bundeswehr sprach Oberst Olaf Tuneke gleich zwei Ehrungen aus.

Für sein 25-jähriges Dienstjubiläum überreichte Oberst Tuneke dem Regierungshauptsekretär Peter Wendlandt eine Dankurkunde des Bundesverteidigungsministeriums. Wendtland diente zunächst ab 1. Januar 2001 als Soldat und ist seit 1. Januar 2024 in einem zivilen Arbeitsverhältnis Fuhrparkbeauftragter der Artillerieschule. „Er ist ein Beispiel dafür, dass man im ‚Binnenmarkt Bundeswehr‘ auch nach der Dienstzeit also Soldat weiterhin tätig sein kann.“
Der Oberstabsgefreite Patrick Schwinges wurde für herausragende Zivilcourage und selbstlosen Einsatz ausgezeichnet. Er hatte im Jahr 2024 versucht, eine Auseinandersetzung in einem Restaurant zu schlichten und eine Mitarbeiterin zu schützen. Dabei wurde er schwer am Auge verletzt. „Der Oberstabsgefreite Schwinges ist damit ein Vorbild für Tapferkeit und Pflichtbewusstsein“, unterstrich Oberst Tuneke und überreichte dem Soldaten den Coin der Artillerieschule, zudem überreichte Oberbürgermeister Frühauf eine Druse mit den Wappen der Stadt und der Artillerieschule.
Traditionell wird beim Neujahrsempfang der Förderpreis für Kunst und Kultur der Stadt Idar-Oberstein verliehen. Beim letzten Neujahrsempfang wurde die Band SpeedBottles mit dem Kulturpreis für das Jahr 2024 ausgezeichnet und übernahm in diesem Jahr die musikalische Umrahmung der Veranstaltung. Mit ihrem fulminanten Punk- und Hardrock sorgten die fünf Musiker für frischen Wind in der Messehalle und wurden dafür vom Publikum mit reichlich Applaus belohnt.

„Kunst und Kultur sind das schlagende Herz einer lebendigen Gesellschaft“, hob Oberbürgermeister Frank Frühauf in seiner Laudation auf den Kulturpreisträger 2025, den Musikverein Tiefenstein, hervor. Dieser wurde im Jahr 1879 als Musikverein Hettstein gegründet und ist damit einer der ältesten Vereine in Idar-Oberstein. Trotz seines Alters verstehe es der Verein aber in beeindruckender Weise, die Tradition nicht nur zu bewahren, sondern sie mit frischem Leben zu erfüllen, so der OB. Der Musikverein Tiefenstein präge das kulturelle Leben in der Region seit Jahrzehnten und setze mit seinen Konzerten, Veranstaltungen und Aktionen Maßstäbe für musikalische Vielfalt und Qualität. Dabei sei vor allem das Engagement des Dirigenten Martin Wendel hervorzuheben. „Er fordert sein Orchester, fördert es aber auch, besonders den Nachwuchs.“ Es sei bezeichnend, dass das Jugendorchester des Musikvereins Tiefenstein bereits 2010 unter der Leitung von Martin Wendel mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wurde und nunmehr das Orchester der Genrationen folge. „Das zeigt die nachhaltige und hervorragende Arbeit, die dort geleistet wird“, unterstrich Oberbürgermeister Frank Frühauf und übereichte der Vereinsvorsitzenden Theresia Rommelfanger und Dirigent Martin Wendel die Verleihungsurkunde des Förderpreises für Kunst und Kultur für das Jahr 2025. Der Preis ist verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro, das von der Kreissparkasse Birkenfeld gesponsert wird. Zudem wird der Musikverein Tiefenstein die musikalische Umrahmung des Neujahrsempfangs 2027 übernehmen.

Dirigent Martin Wendel bedankte sich im Namen des frisch gebackenen Kulturpreisträgers für die Auszeichnung. „Wir sind sehr stolz auf diesen Preis und werden ihn in Ehren halten.“ Er nutzte auch die Gelegenheit, Werbung in eigener Sache zu machen. Denn am 20. Juni 2026 veranstaltet der Musikverein Tiefenstein in der Messe Idar-Oberstein ein Konzert unter dem Titel „Music in Motion“, das gemeinsam mit Tanzgruppen aus der Region sowie einer professionellen Riverdance-Gruppe gestaltet wird.
Glück in Brezelform
Zum Abschluss des Neujahrsempfangs überreichte dann noch Bäckermeister Alfred Wenz, Vorsitzender Kreishandwerksmeister und Obermeister der Bäcker-Innung, eine Neujahrsbrezel an Oberbürgermeister Frank Frühauf. Das traditionelle Glückssymbol soll im neuen Jahr vor Krankheit, Unglück und Hunger schützen. OB Frühauf bedankte sich für dieses besondere Geschenk und hob die Bedeutung des Handwerks für die regionale Wirtschaft hervor. Anschließend wurde die Neujahrsbrezel an die Gäste verteilt, die sich das leckere Backwerk schmecken ließen.
