Am vergangenen Dienstag fand die diesjährige Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Mehr als 300 Besucher kamen zu der von der Stadt Idar-Oberstein und dem Schalom-Verein organisierten Veranstaltung ins Stadttheater.
Oberbürgermeister Frank Frühauf begrüßte die Gäste sowie Schauspieler Roman Knižka und das Bläserensemble Opus 45, die mit ihrem Programm ‚Dass ein gutes Deutschland blühe …‘ bereits zum vierten Mal die Gedenkveranstaltung in Idar-Oberstein gestalteten. Er dankte dem Schalom-Vorsitzenden Axel Redmer und Stadtarchivarin Dr. Svenja Müller, die mit ihren Recherchen den regionalen Part des Programms ermöglicht hatten. OB Frühauf unterstrich, dass das am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreite Konzentrationslager Auschwitz als Mahnmal für die Schrecken der Nazi-Herrschaft stehe. „Das Gedenken daran darf aber nicht nur ein Blick zurück sein, sondern muss aktiver Teil unserer Kultur sein.“ Dabei sei es vor allem wichtig, die Erinnerung an das Geschehene an die junge Generation weiterzugeben. „Denn wir tragen die Verantwortung für die Aufklärung der nächsten Generation, mit dem Ziel, dass sich dieser Schrecken nicht mehr wiederholen darf.“
Schalom-Vorsitzender Axel Redmer wies darauf hin, dass die Stadt und sein Verein bereits seit dem Jahr 2005 gemeinsam diese Gedenkveranstaltung ausrichten. „Damit haben wird hier vor Ort viel für eine vernünftige Ausklärungsarbeit getan.“ Redmer unterstrich, dass die abendliche Gedenkveranstaltung stets auch durch Schulveranstaltungen ergänzt wird, mit denen die Jugendlichen für das Thema sensibilisiert werden. Das sei auch dringend notwendig, denn bei den aktuellen Ereignissen in den USA erlebe man derzeit, wie rasch eine Demokratie kaputt gemacht werden könne.
Mit ihrem Programm ‚Dass ein gutes Deutschland blühe …‘ versetzten Roman Knižka und Opus 45 die Besucher dann zurück in die Nachkriegszeit. Texte und Musik erzählten vom Leben in den Jahren 1945 bis 1949 – von Trümmern und Hungerwintern, Vertriebenen und Heimkehrern, von alltäglicher Gewalt und kulturellen Neuanfängen. In einer intensiven Performance rezitierte Knižka unter anderem Texte der amerikanischen Kriegsberichterstatterin Margaret Bourke-White, aus Aufzeichnungen eines Rotarmisten, aus Artikeln der Journalistin Ruth Andreas-Friedrich, aus Anmerkungen zu den Nürnberger Prozessen. Er spielte eine Szene aus dem Antikriegsfilm ‚Die Brücke‘, sang das ‚Insulanerlied‘ von Günter Neumann, tanzte zu ‚Bei mir bist du schön‘, dem Schlager des Jahres 1948.
Als regionalen Beitrag zitierte Knižka aus den Tagebüchern von Prof. Max Huber, der von 1946 bis 1949 zweiter Beigeordneter der Stadt Idar-Oberstein war. Dessen Enkel Dedo Töpfer hatte die Lebenserinnerungen Hubers dem Stadtarchiv überlassen. Außerdem ließ er es sich nicht nehmen, persönlich aus Unterhaching zur Gedenkveranstaltung nach Idar-Oberstein zu kommen. Wie stark das Nazi-Regime auch noch viele Jahre nach Kriegsende in manchen Köpfen verankert war, wurde anhand eines Artikels von Werner Bohrer in den ‚Idar-Obersteiner Nachrichten“ im Jahr 1955 deutlich. Der ehemalige örtliche NSDAP-Propagandaleiter berichtete darin von der angeblichen Ermordung von 40 Menschen im Internierungslager Algenrodt. Das Ereignis war frei erfunden, der Artikel wird aber bis heute noch in geschichtsrevisionistischen Kreisen verbreitet.

Nicht minder intensiv und hochklassig wie Knižka performte das Bläserquintett. Es brachte Beethovens ‚Allegretto‘, das Lied ‚Hänschen klein‘ – Titelmusik zum Film ‚Steiner – Das Eiserne Kreuz‘, das ‚Andante‘ von Richard Strauss, Artur Beuls ‚Nach Regen scheint Sonne‘, Glenn Millers ‚Moonlight Serenade‘ und viele weitere Stücke zu Gehör und präsentierte damit ein musikalisches Porträt dieser Epoche.
Mit langanhaltenden, stehenden Ovationen würdigte das Publikum die herausragende Leistung von Schauspieler und Musikern. Ihr eindringliches Spiel wird sicherlich noch lange nachwirkend. Benjamin Comparot, Hornist von Opus 45, nutzte die Gelegenheit und wies die Besucher auf das neue Programm hin, dass das Ensemble derzeit entwickelt. In dem True Crime Format werden vier Morde verarbeitet, unter anderem der an der russische Journalistin Anna Politkowskaja, die am 7. Oktober 2006 in Moskau erschossen wurde. Dieses Programm würden Opus 45 gerne in Idar-Oberstein aufführen.
