Fit für die digitale Zukunft

Digital-Strategie für die Stadt Idar-Oberstein

Die Sprecher der Arbeitsgruppen stellten dem Gremium die erarbeiten Ziele und Maßnahmen vor. (Foto: Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz)

Im Rahmen einer ‚Digital-Werkstatt‘ wurde jüngst der Grundstein zu einer Digitalstrategie für Idar-Oberstein gelegt. Bei dem eintägigen Workshop in der Messe Idar-Oberstein erarbeiteten 30 Teilnehmer Ziele und Maßnahmen zur digitalen Weiterentwicklung der Stadt.

Die Digitalisierung ist nicht nur einer der sogenannten Megatrends, sondern vor allem auch eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist sie in aller Munde, der digitale Wandel betrifft alle Ebenen und alle Bereiche von Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur. Maßgebend für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ist das sogenannte Onlinezugangsgesetz (OZG). Es verpflichtet Bund, Länder und Kommunen, bis Ende 2022 rund 600 Verwaltungsleistungen über Verwaltungsportale auch digital anzubieten. Wobei dies mehr ist, als die bloße Bereitstellung von Online-Anträgen.

Bereits seit Jahren ist die Stadt Idar-Oberstein dabei, die Digitalisierung ihrer Verwaltung voranzutreiben. Unter anderem wurden alle Arbeitsplätze virtualisiert, so dass jeder Mitarbeiter an allen Arbeitsplätzen der Verwaltung auf die eigenen Daten Zugriff hat. Außerdem wurde die städtische Serverinfrastruktur in das Kommunale Gebietsrechenzentrum (KGRZ) Koblenz verlagert, um Sicherheitsbedrohungen adäquat begegnen und die Vorgaben des BSI-Grundschutzkatalogs (BSI = Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) erfüllen zu können. Nicht zuletzt stellt die Einführung der elektronischen Aktenführung ein Großprojekt und einen Meilenstein der Digitalisierung der Verwaltung dar.

Die Digitalisierung der Verwaltung ist aber nur einer der Bausteine für eine umfassende kommunale Digitalstrategie. Daher führte die Stadt Idar-Oberstein im März dieses Jahres eine ‚Digital-Werkstatt‘, ein Kooperationsprojekt der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz e.V. und weiterer Partner, durch. Dabei nahmen sich insgesamt 30 Teilnehmer einen Tag lang Zeit, um eine Digitalstrategie für ihre Stadt zu erarbeiten. Die bunt gemischte Gruppe setzte sich aus Vertretern der politischen Gremien, von Verwaltung, Wirtschaft, Interessengruppen und Bürgerschaft zusammen. Das Altersspektrum reichte von 17 bis über 70 Jahre und stellte damit einen Querschnitt vieler relevanter Zielgruppen dar. Oberbürgermeister Frank Frühauf, der ebenfalls an dem Workshop teilnahm, dankte den Akteuren für ihr freiwilliges Engagement zur Erstellung der Digitalstrategie.

Im Rahmen des Workshops bearbeiteten die Teilnehmer insgesamt acht Handlungsfelder: Digitale Infrastruktur, Bildung und Jugend, Kommunale Wirtschaft, Tourismus, Silberne Gesellschaft (also die Menschen 60+), Kommunale Verwaltung, Dorf- und Stadtentwicklung sowie Alltagsleben. In kleinen Arbeitsgruppen legten die Akteure Ziele für jedes Handlungsfeld fest und definierten Maßnahmen, um diese Ziele möglichst innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren zu erreichen. Die Ergebnisse wurden dann von den Gruppensprechern den anderen Teilnehmern präsentiert, anschließend wurde vom gesamten Gremium eine Bewertung und Priorisierung der verschiedenen Maßnahmen vorgenommen. Besonders hoch bewertet wurden die Übertragung von Stadtratssitzungen als Stream, die Einrichtung eines Digitallabors im Jugendtreff am Markt (JAM), die Bereitstellung einer durchgängigen Breitbandversorgung, eine neue Homepage der Stadt, die Schaffung einer App für das Jugend-Beteiligungsprojekt JUMP!O und die Vernetzung der Jugend mit der sogenannten Silbernen Gesellschaft.

Aus diesen priorisierten Projekten und den weiteren Vorschlägen der Digital-Werkstatt wird derzeit die digitale Strategie der Stadt Idar-Oberstein entwickelt. Das fertige Konzept wird dann den städtischen Gremien vorgestellt und durch diese beschlossen. Parallel hierzu laufen bereits erste Umsetzungsprojekte, wie die Schaffung der JUMP!O-App oder die Vernetzung verschiedener Akteure, um die Silberne Gesellschaft auf der digitalen Reise mitzunehmen. Die derzeit größte Herausforderung stellt aber wohl die Umsetzung des OZG dar, denn diese soll bis zum 1. Januar 2023 erfolgt sein. Aber auch das ist nur ein Zwischenstopp, denn „die Digitalisierung ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon-Lauf“, erklärt Christian Wahl, der Digitalisierungsbeauftragte der Stadtverwaltung Idar-Oberstein. „Wobei die Ziellinie nicht nach gut 42 Kilometern erreicht ist, sondern der Lauf nie endet. Wichtig ist es aber loszulaufen und dranzubleiben.“ Und hier sieht er die Stadt Idar-Oberstein auf einem guten Weg.