Archivbestände sichern die Stadtgeschichte

Die historischen Dokumente des Bestands ‚Stadtwerke‘ werden nunmehr in speziellen Jurismappen gelagert. Diese schützen das Archivgut vor Licht und mechanischer Beschädigung, sie gleichen Klimaschwankungen aus und mildern Schäden durch säurehaltiges Papier. (Foto: Stadtverwaltung Idar-Oberstein)

Zu den Hauptaufgaben des Stadtarchivs Idar-Oberstein gehört die Erschließung von Aktenbeständen aus der Verwaltung. Der neu erschlossene Bestand ‚Stadtwerke‘ umfasst vor allem historische Dokumente zur Gasanstalt Oberstein-Idar und zum Wasserwerk.

Einblicke in die Anfangszeit der Gasanstalt liefert beispielsweise eine Akte aus dem Jahr 1877, die eine Übersicht der Kosten und Rentabilität einer Gasanstalt enthält und sich der Frage widmet, welcher Bauplatz für das Gaswerk zu wählen sei. Aus dem Jahr 1887 stammen Unterlagen, die sich mit der Übertragung der Stelle des Laternenanzünders beschäftigen. Dieser war für das Anzünden und Löschen der städtischen Straßenlaternen zuständig.

Eine Tabelle der ‚höchsten Gasabnehmer in Oberstein und Idar 1910‘ und Personalbögen der Gasanstalt aus den 1920er Jahren erinnern nicht nur an die bedeutendsten Firmen Obersteins, sondern auch an die Namen zahlreicher städtischer Arbeiter. Handgezeichnete Diagramme zur täglichen Stadtgasabgabe 1932 bis 1945 und Wasserverbrauchsstatistiken aus den Jahren 1948 bis 1961 bieten Vergleichs- und Analysemöglichkeiten. 

Da gewisse Stadtgebiete Obersteins und umliegende Gemeinden immer wieder unter akutem Wassermangel litten, sah man sich angesichts wiederkehrender Beschwerden der Bevölkerung im Laufe der Jahrzehnte gezwungen, Maßnahmen zur Linderung des Mangels zu ergreifen. Akten und teils großformatige Zeichnungen geben unter anderem Einblick in den Bau und die Erweiterung des Wasserversorgungsnetzes, die Erschließung von Quellgebieten, den Bau des Hochbehälters Wäschertskaulen und der Druckerhöhungsanlage Tiefenstein sowie in die Planung der Steinbachtalsperre.

Auch die Arbeitsumstände der Arbeiter werden in den Unterlagen des neu erschlossenen Bestands mehrfach thematisiert. Als es beispielsweise am 8. September 1922 zu einem Streik der Gasarbeiter in Oberstein kam, wurden nicht nur die internen Unterlagen dazu archiviert, sondern auch sorgsam ausgeschnittene Zeitungsartikel, die über den Streik berichteten. Um die Arbeiten an den städtischen Wasser- und Gasrohren zu beschleunigen, wurden in den beiden Weltkriegen Kriegsgefangene hinzugezogen. Auch ein Arbeitsbeschaffungsprogramm (‚Reinhardt-Programm‘) zur ‚Verbesserung der Leitung im Quellgebiet Oberstein‘ wurde 1933 initiiert, um die Erweiterung voranzutreiben. Stunden- und Lohnlisten zeigen, dass der weiterhin bestehende Mangel an Arbeitern dazu führte, dass die im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms hinzugezogenen Arbeiter bis zu 70 Wochenstunden leisten mussten.

Die Besatzung Idar-Obersteins nach Ende des 2. Weltkriegs hatte auch Auswirkungen auf die Arbeit der städtischen Versorgungsanstalten. Der Bestand enthält Rechnungen über Gas- und Wasserlieferungen an beschlagnahmte Wohnhäuser und Wohnungen sowie Wasserlieferungen an das Quartermaster Depot Nahbollenbach.

Die Nutzung der Archivbestände ist jederzeit möglich, soweit keine Gesetze oder Verordnungen (Datenschutz, Sperrfristen für Akten oder ähnliches) dem entgegen stehen. Ansonsten sind die Bestände zugänglich für die Anfertigung von Facharbeiten, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen oder auch Ahnenforschung. Das Stadtarchiv Idar-Oberstein befindet sich in der Bahnhofstraße 1. Es ist jeweils mittwochs von 10 bis 16 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Für andere Tage können unter Telefon 06781/64-473 oder E-Mail stadtarchiv@idar-oberstein.de Termine vereinbart werden.