Aufrüttelnde Lesung zum Thema Alkoholsucht

In einer interaktiven Lesung berichtete Dominik Schottner vom Schicksal seines Vaters, den er an den Alkohol verlor. (Foto: Stadtverwaltung Idar-Oberstein)

Eine interaktive Lesung mit dem Autor Dominik Schottner stand im Mittelpunkt der Schulprojektwochen Alkoholprävention, die vom Regionalen Arbeitskreis (RAK) Suchtprävention des Landkreises Birkenfeld gemeinsam mit den Jugendpflegen des Stadtjugendamtes Idar-Oberstein und des Kreisjugendamtes Birkenfeld sowie Unterstützern aus den teilnehmenden Schulen durchgeführt wurden. Das Projekt wurde vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung im Rahmen der Sozialraumentwicklung / Suchtprävention gefördert.

„Auf der einen Seite ist da die Trauer um einen Menschen, der für einen Außenstehenden relativ ‚normal‘ aber sehr ‚trinkfest‘ erscheint. Auf der anderen Seite die Wut eines erwachsenen Kindes, um das ‚was hätte sein können!‘“ So beschreibt Autor Dominik Schottner, Preisträger des deutschen Radiopreises, in seinem Buch ‚Dunkelblau – wie ich meinen Vater an den Alkohol verlor‘ seinen Zwiespalt, in den er durch die Alkoholsucht seines Vaters geraten war. In seiner 90-minütigen Lesung erfuhren Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 bis 10 der Realschule Plus Idar-Oberstein sowie der Gymnasien Heinzenwies, Göttenbach und Birkenfeld von den Erfahrungen des Autors mit der Droge Alkohol und den daraus entstehenden möglichen Konsequenzen für Abhängige und deren Umfeld. Die Lesung hatte es in sich, denn gepaart mit Tonaufnahmen seines Anrufbeantworters, Interviews von Familienmitgliedern und eigenen Erzählungen nahm der Autor die Schüler mit auf die Reise seines Vaters und der Familie.

Dass Alkohol verharmlost und in unserer Gesellschaft akzeptiert und zelebriert wird, ist kein Geheimnis. Dennoch ist es vielen Menschen gar nicht bewusst. So erzählt Schottner davon, wie das Feierabendbier, der Verdauungsschnaps oder das Gipfelbier Beispiele für Anlässe sind, Alkohol zu trinken ohne darüber nachzudenken, welche langfristigen Konsequenzen daraus entstehen können. Er macht durch seine Geschichte und seine Erzählungen klar, dass Menschen, die alkoholkrank sind, oft nicht als solche erkannt werden, da sie geschickt darin sind, ihre Probleme herunterzuspielen oder zu verheimlichen.

Schottner versucht zu verstehen ohne anzuprangern. Versucht seinen Vater zu verstehen, einen Mann mit vielen Facetten, der „auch anders sein konnte, großartig, liebevoll, besorgt, ein Vater, auf den ich stolz sein konnte.“ Er geht der Frage nach, die viele Angehörige beschäftigt: ob er seinem Vater hätte helfen können?

Die Schüler wurden in die interaktive Lesung mit eingebunden. Sie durften die Zahl der Menschen in Deutschland schätzen, die einen riskanten Alkoholkonsum haben. Zum Glück wurde sie überschätzt. Jedoch sind auch sechs Millionen Menschen eine bedenkliche Größenordnung, waren sich die Teilnehmenden einig. Gegen Ende der Veranstaltung konnten dann nochmal Fragen gestellt werden.

Die Lesung sollte dazu anregen, über das Tabu Alkoholismus in der Familie zu sprechen, Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen, aber auch an Grenzen erinnern, die Angehörige setzen müssen und dürfen. Außerdem wurde das Beratungs- und Hilfenetzwerk der RAK wurde erläutert.

Das Buch ‚Dunkelblau – wie ich meinen Vater an den Alkohol verlor‘ ist bei Riper Paperbook im März 2017 erschienen und unter ISBN 978/3492060622 erhältlich.