Theatersommer Idar-Oberstein 2018

Organisatoren und Sponsoren stellten das Programm des Theaterfestivals vor.

Der diesjährige Theatersommer Idar-Oberstein lässt Geschichte und Geschichten, die wohl nie zu Ende erzählt sind, mit unterhaltsamen und außergewöhnlichen Inszenierungen lebendig werden. Vom 24. August bis 15. September 2018 präsentiert das Theaterfestival sechs Veranstaltungen, im Herbst gibt es dann noch ein Theaternachsommer.

Traditionell fand die Vorstellung des Festivalprogramms in den Räumen der OIE AG statt. Vorstand Eva Wagner begrüßte die Gäste und erklärte, dass es dem regionalen Energieversorger wichtig sei, sich auch kulturell zu engagieren. „Und der Theatersommer bietet dazu eine gute Gelegenheit“, so Wagner. Oberbürgermeister Frank Frühauf griff diesen Gedanken auf und unterstrich, dass ein Projekt wie der Theatersommer nur gemeinsam von engagierten Akteuren zu bewerkstelligen sei: „Dazu gehören die Organisatoren unseres Kulturamtes ebenso wie regionale Künstler aber natürlich auch unsere Sponsoren, zu denen wir eine enge Partnerschaft pflegen.“ Er bedankte sich daher neben der OIE AG auch bei der Kreissparkasse Birkenfeld, der Firma Effgen und dem Land Rheinland-Pfalz für die Unterstützung des Theatersommers. „Gemeinsam stellen wir ein Festival auf die Beine, um das uns viele Kommunen im Land beneiden“, stellte Frühauf fest.

Shakespeare, Kleist und Marx

Anschließend stellte Kulturreferentin Annette Strohm die Produktionen vor, die auch das Motto des diesjährigen Kultursommers Rheinland-Pfalz ‚Industrie-Kultur‘ aufgreifen. „Unser Theatersommer ist in diesem Jahr so politisch wie nie“, unterstrich Strohm. Das zeigt sich gleich zum Auftakt mit dem Stück ‚Kleine Frau – was nun?‘ des pfälzischen Chawwerusch Theaters. In Anlehnung an Hans Falladas ‚Kleiner Mann, was nun?‘ fordert das Ensemble dazu auf, sich die Errungenschaften unserer Demokratie zu vergegenwärtigen und sie nicht allzu leicht aus den Augen zu verlieren. Ausgangspunkt des Stücks ist die Ausrufung der ersten deutschen Republik vor 100 Jahren. Geschickt werden die historischen Ereignisse mit dem Leben von Luise, die sich aus der Pfalz auf den Weg in das politisch aufgewühlte Berlin macht, verwoben. Hier erlebt Luise den Anfang der deutschen Demokratie mit und kann als Frau zum ersten Mal selbst über ihr Leben bestimmen – welchen Weg wird sie einschlagen? Der aus Moskau stammende Komponist Dmitrij Koscheew hat eigens für das Stück eine Bühnenmusik komponiert und begleitet die Aufführung am Klavier.

Muss Macht korrumpieren und zu schrecklichen politischen und menschlichen Tragödien führen? William Shakespeares Meisterwerk ‚Macbeth‘ wirft diese immer noch aktuellen Fragen auf und lässt die Zuschauer dabei einen mitreißend spannenden Theaterabend erleben. Mit großartigem Körpertheater, viel Esprit und einem überaus lebendigen Zusammenspiel setzt das Ensemble der American Drama Group die menschlichen Abgründe in englischer Sprache in Szene.

Basierend auf der Novelle von Heinrich von Kleist bespielt das Berliner Theater Grotest Maru mit seinem Stück ‚Kohlhaas‘ verschiedene Stationen im Zentrum von Oberstein. Ein wortgewandter Erzähler vermittelt die Geschichte hautnah, Schauspieler und Publikum lassen sich gemeinsam auf eine Reise zu der brisanten Frage nach Gerechtigkeit und Solidarität ein: Heiligt der Zweck wirklich die Mittel?

Nach dem großen Erfolg der letztjährigen regionalen Eigenproduktion ‚Carmina Burana‘ wagt sich Kreiskantor Roland Lißmann wieder an ein Großprojekt. Unter seiner Leitung legt das Konzert ‚Der Klang der Industriekultur‘ den Fokus auf den Protestanten, Unternehmer und Politiker Karl Ferdinand Stumm. „Mit Wurzeln im Hunsrück war der ‚Stahlbaron‘ Stumm im Zeitalter der industriellen Revolution eine der einflussreichsten Persönlichkeiten Deutschlands“, berichtete Lißmann. Der Kreiskantor stellt bei dem Konzert Johannes Brahms‘ ‚Schicksalslied‘ mit Texten von Hölderlin, die ‚Walpurgisnacht‘ nach einem Text von Goethe, komponiert von Felix Mendelssohn-Bartholdy, und ‚Stabat Mater‘ von Theodore Gouvy in den thematischen Zusammenhang. Die Chöre der Kantoreien Obere Nahe und Idar-Oberstein, professionelle Solisten, das Barockorchester L´arpa festante und das Theater Anu entführen das Publikum auf eine Klangreise vom Beginn der Industrialisierung bis in die nahe Zukunft. „Mit dieser Kombination haben wir einen Weg gefunden, dem Publikum dieses vielschichtige Thema zu vermitteln“, ist sich Lißmann sicher. Und um den akustischen Hörgenuss zu verstärken, sind die Besucher eingeladen, während der Inszenierung die bereitgelegten Augenbinden zu tragen.

Zur Vorbereitung auf das Konzert wird in Kooperation mit der Initiative StattKino der Film ‚Die stählerne Zeit – Im Reich des Stahlbarons‘ gezeigt, der sich mit dem Leben und Wirken von Karl Ferdinand Stumm beschäftigt. Im Anschluss an den Film geben Regisseur Rüdiger Mörsdorf und Pfarrer Erik Zimmermann aus Hottenbach weitere Einblicke in diese gerade auch für unsere Region spannende Zeit. Roland Lißmann und Stefan Behr vom Theater Anu erläutern ihren künstlerischen Zugang zur Thematik der Industrialisierung. Moderiert wird das Gespräch von Dr. Kai-Michael Sprenger, Referent im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz.

Eine weitere regionale Produktion präsentiert das Nahe-Theater mit dem Stück ‚Karl & Jenny‘. Darin finden sich Karl Marx und Jenny von Westphalen exakt an ihrem 175. Hochzeitstag an jenem Ort wieder, an dem sich auch kirchlich getraut wurden: in der Kreuznacher Pauluskirche. Ihr Erstaunen darüber währt nicht lange, denn prompt werden sie vom hegelschen Weltgeist vor eine wichtige Entscheidung gestellt: Werden sie ein zweites Mal heiraten? Eine ganz wichtige Frage, weil es von ihrem Ja-Wort abhängt, ob nicht nur sie beide, sondern auch ihre beiden vorgesehenen Trauzeugen – Friedrich Engels und Rosa Luxemburg – hinaus in das Jahr 2018 dürfen. In der von Jörg Staiber geschriebenen und Heike Mayer-Netscher inszenierten historisch-philosophisch-fantastischen Komödie werden auf witzige und spannende Weise diese vier Persönlichkeiten in ihrer menschlichen Widersprüchlichkeit porträtiert und es wird die Frage nach der Aktualität ihrer Ideen gestellt.

Programm

  • Freitag, 24. August 2018, um 20 Uhr auf Schloss Oberstein: ‚Kleine Frau – was nun? Der Weg in die Weimarer Republik‘, Chawwerusch Theater
  • Montag, 27. August 2018, um 19 Uhr auf Schloss Oberstein: ‚Macbeth‘, The American Drama Group Europe
  • Freitag, 31. August 2018, um 20 Uhr in der Fußgängerzone Oberstein: ‚Kohlhaas‘, Grotest Maru
  • Sonntag, 2. September 2018, um 19.30 Uhr im Stadttheater Idar-Oberstein: ‚Die stählerne Zeit – Im Reich des Stahlbarons‘, Film im Theater
  • Sonntag, 9. September 2018, um 17 Uhr in der Kirche St. Nepomuk, Stadtteil Kirchenbollenbach: ‚Der Klang der Industriekultur‘, Konzert unter der Leitung von Roland Lißmann in Zusammenarbeit mit dem Theater Anu
  • Samstag, 15. September 2018, um 20 Uhr in der Kirche St. Nepomuk, Stadtteil Kirchenbollenbach: ‚Karl & Jenny‘, Nahe-Theater

Weitere Informationen gibt es unter www.idar-oberstein.de. Die Freiluftveranstaltungen finden bei Regen in der Göttenbach-Aula statt. Karten gibt es ab Mitte Juli unter www.ticket-regional.de und bei den bekannten Vorverkaufsstellen. Bis einschließlich 5. August 2018 gibt es als Sommerferienrabatt eine Ermäßigung von 10 Prozent auf alle Ticketpreise. Inhaber der OIE Card erhalten einen weiteren Rabatt von 10 Prozent.