Krimi als Grundlage einer Choreographie

NRW Juniorballett präsentiert „Mord im Orient-Express“

Agatha Christies „Mord im Orient-Express“ inspirierte vier Choreographen zu...

...der gleichnamigen Tanzproduktion des NRW Juniorballetts. (Fotos: Bettina Stöß)

Das Theaterprogramm der Stadt Idar-Oberstein wird im kommenden Jahr mit einer Tanzproduktion fortgesetzt. Mit „Mord im Orient-Express“ erleben die Besucher am Samstag, 20. Januar 2018, um 19.30 Uhr im Stadttheater eine Tanzreise mit dem NRW Juniorballett.

Das NRW Juniorballett wurde 2014 vom Direktor des Ballett Dortmund, Xin Peng Wang, gründete. Es versteht sich als Forum zur Förderung und Weiterbildung außergewöhnlich talentierter Nachwuchstänzer aus aller Welt. Zwei Jahre lang wird ihnen hier die Möglichkeit geboten, in professionellem Rahmen erste Berufserfahrungen zu sammeln und die Weichen für ihre spätere Karriere zu stellen.

1883 fuhr er erstmals los – der Orient-Express. Von Paris nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, ging die Reise quer durch Europa. Er verband bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts Okzident und Orient, Völker und Kulturen miteinander. Zu seinen Fahrgästen zählten die berüchtigte Doppelspionin Mata Hari und ein verliebter Waffenschieber. Der brutalste Terroranschlag der Zwischenkriegszeit brachte den Luxuszug zum Entgleisen. Für viele Verfolgte des NS-Regimes war der Orient-Express die letzte Fluchtmöglichkeit vor dem Konzentrationslager. Während des Kalten Krieges brachte er die ersten „Gastarbeiter“ aus Südosteuropa nach Deutschland. „Ab in den Orient-Express!“ wurde zum zynischen Slogan der Fremdenfeindlichkeit.

Der Orient-Express inspirierte aber auch immer wieder Schriftsteller, wie die Krimiautorin Agatha Christie. Die britische „Queen of Crime“ machte den Zug 1934 zum Schauplatz eines perfide konstruierten Kammerspiels existenzieller Befindlichkeiten. Da wird – ausgerechnet im Wagen 309, der bei Matuschkas Attentat 1931 in die Luft flog – ein toter Passagier namens Ratchett aufgefunden. Todesursache: Zwölf Messerstiche – eine Hinrichtung.

Der belgische Detektiv Hercule Poirot befindet sich unter den Fahrgästen und beginnt unter den Mitreisenden zu ermitteln. Der Orient-Express wird zum Tatort eines anarchistisch-archaischen Rituals: Jemand hat getötet und somit ungeachtet der staatlich praktizierten Rechtsprechung den Tod verdient. Es reicht aber nicht, dass einer die Strafe am Opfer vollzieht, sondern alle zwölf müssen zu Scharfrichtern werden. Geteilte Schuld ist gemeinsame Unschuld.

Das Ballett, eine kreative Zusammenarbeit von vier Choreographen aus Argentinien (Demis Volpi), Deutschland (Xenia Wiest), Großbritannien (Craig Davidson) und Spanien (Juanjo Arques), befasst sich mit der von Agatha Christie entworfenen Wechselwirkung zwischen Schuld und Sühne und reflektiert archetypische Situationen aus der literarischen Vorlage. So entsteht ein Kaleidoskop existenzieller Momentaufnahmen. Der Orient-Express wird zum „Zug des Lebens“.

Karten gibt es in Idar-Oberstein bei den Vorverkaufsstellen: Buchhandlung Carl Schmidt & Co., Telefon 06781/41078, Buchhandlung Schulz-Ebrecht GmbH, Telefon 06781/22574, Tourist-Information, Telefon 06781/64871, M&R GmbH im EKZ, Telefon 06781/567353, Wochenspiegel, Telefon 06781/94770, sowie im Internet unter www.ticket-regional.de.