Weitere Stolpersteine erinnern an Opfer der NS-Zeit

Mit der deutschland- und europaweiten Verlegung von Stolpersteinen hat Gunter Demnig (rechts im Bild) das größte dezentrale Mahnmal der Welt geschaffen.

In Idar-Oberstein verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig jetzt weitere sieben Stolpersteine, mit denen an die Schicksale des Euthanasieopfers Friedrich August Dreher, der jüdischen Familie Johanna und Siegmund Schubach mit Töchtern Irma und Ruth sowie dem jüdischen Arzt Dr. Friedrich Kronen-berger und seiner Ehefrau Friede erinnert wird. Im Rahmen des Projektes, das vom Verein Schalom – Begegnung mit dem Judentum gemeinsam mit der Stadt initiiert und umgesetzt wird, wurden bisher bereits 15 Stolpersteine in Idar-Oberstein verlegt.

Mit dem Stein für Friedrich August Dreher in der Alten Poststraße 19 in Tiefenstein wird erstmals an ein Euthanasieopfer erinnert. Friedel Dreher, wie er von der Familie und Freunden genannt wurde, war geistig behindert. Seine Großmutter kümmerte sich jahrelang um ihn und als sie 1941 starb und der Vater seit 1940 seinen Kriegsdienst leistete, stand die Mutter mit drei Kindern allein da. 1942 brachten ihn die Nazis in die Heilanstalt „Hephata“, am 20. Mai 1943 wurde er mit einem Sammeltransport in die thüringische Landesheilanstalt Hildburghausen verlegt und zwei Tage später in das Landeskrankenhaus nach Stadtroda bei Jena gebracht, wo er am 20. Juli 1943 umgebracht wurde. Als Todesursache wurde den Angehörigen „Herz- und Kreislaufschwäche angegeben. Sein Bruder, Alfred Dreher lebt noch in ihrem Elternhaus und er ist gemeinsam mit seiner Tochter an Schalom herangetreten, den Stolperstein für Fried-rich August Dreher zu verlegen.

In der Wasenstraße 64 wurden vier Stolpersteine für das Ehe-paar Johanna und Siegmund Schubach und ihre Töchter Irma und Ruth verlegt. Schubachs hatten eine gut gehende Metzge-rei, die „arisiert“ wurde. Die Töchter emigrierten bereits 1936/

1937 nach New York, das Ehepaar Schubach wurde zuerst noch von der Wasenstraße in die Bahnhofstraße zwangsumgesiedelt bevor sie 1938 auf Drängen ihrer Töchter auch nach New York flüchteten.

Abschließend wurden am Standort des Alten Krankenhauses im Friedrich-Ebert-Ring 2, zwei Stolpersteine für den Arzt Dr. Friedrich Kronenberger und seine Ehefrau Friede verlegt. 1933 suchte ihn der damalige Bürgermeister Ludwig Bergér auf und drängte ihn, seinen Beruf niederzulegen, weil viel gegen ihn vorliegen würde. Unter anderem wurde Friede Kronenberger unterstellt, eine russische Spionin zu sein. Dr. Kronenberger floh mit seiner Frau nach Frankreich, nach Haiti und später weiter nach Palästina. Im Zweiten Weltkrieg diente Dr. Kronenberger als Militärarzt in der englischen Armee und verbrachte den Rest seines Lebens in England.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, beschrieb Schalom-Vorsitzender Axel Redmer die Intention der Stolpersteinverlegung. Oberbürgermeister Frank Frühauf dankte Gunter Demnig, der bereits zum dritten Mal in Idar-Oberstein Stolpersteine verlegte, für dessen Engagement, durch das die Opfer der NS-Diktatur nicht in Vergessenheit geraten. Außerdem dankte er dem Verein Schalom für die Aufarbeitung der persönlichen Schicksale.

Der frühere Pfarrer von Wickenrodt und Kirchberg, Wilhelm Gervers, ergänzte die persönlichen Geschichten der Opfer noch um die kirchliche Betrachtung der damaligen Zeit und spannte den Bogen zu heute, denn Flucht und Vertreibung sind heute wieder ganz aktuelle Themen.