Peter Drey Ein Obersteiner Gründervater

Eine Gedenktafel erinnert an sein umfangreiches Wirken

Oberbürgermeister Bruno Zimmer, Gerhard Schneider, Vorsitzender der Freireligiösen Gemeinde, und TVO-Vorsitzender Bernd Pohl vor der Gedenktafel für Peter Drey.

Peter Drey war einer der bedeutendsten Gründerväter Obersteins. Mit einer Gedenktafel an der nach ihm benannten Fußgängerbrücke wird nunmehr an die Verdienste Dreys erinnert.

Im Jahr 2007 hatten die Vorstände des Turnvereins 1848 Oberstein und der Freien Religionsgemeinschaft (Freireligiöse Gemeinde) Idar-Oberstein einen Antrag auf öffentliche Würdigung der Verdienste von Peter Drey gestellt. Denn beide Institutionen wurden von ihm gegründet. Der Stadtrat billigte den Antrag einstimmig und benannte die Fußgängerbrücke, die am Stadttheater die Naheüberbauung überquert, nach dem Gründervater. Außerdem sollte Dreys Wirken mit einer Gedenktafel gewürdigt werden. Diese wurde nunmehr im Beisein von zahlreichen Ehrengästen von Oberbürgermeister Bruno Zimmer, Bernd Pohl, Vorsitzender des TVO, und Gerhard Schneider, Vorsitzender der Freireligiösen Gemeinde, feierlich enthüllt. Unter den Gästen waren mit Gabi Federlin und Peter Pielmeyer auch zwei Nachkommen von Peter Drey, außerdem natürlich größere Delegationen des Turnvereins und der Gemeinde sowie eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Idar-Oberstein, deren Ursprünge ebenfalls auf Peter Drey zurückgehen.

Zum 150-jährigen Bestehen des TV Oberstein hatte Historiker Hans Peter Brandt eine umfangreiche Abhandlung über Peter Drey veröffentlicht, anhand derer Oberbürgermeister Zimmer die Lebensleistung dieses außergewöhnlichen Mannes nachzeichnete. Drey wurde am 10. Mai 1824 in Mühlheim am Main geboren, 1847 kam er nach Oberstein und arbeitete hier in seinem Beruf als Lithograf in der Buchdruckerei Danner im Dannersbau (heute Hauptstraße 418).

Bereits im März 1848 gründete Drey zusammen mit Jacob Danner den Turnverein 1848 Oberstein. Das geschah wohl unter dem Eindruck der gerade beginnenden Revolutionsunruhen, denn damals dienten die Turnvereine nicht nur der körperlichen Ertüchtigung ihrer Mitglieder sondern waren auch Orte der politischen Bildung. Drey sympathisierte offensichtlich mit den Ideen der Revolution und wurde bei einem Besuch in Frankfurt festgenommen, weil man zwei Zündhütchen bei ihm entdeckt hatte. Dafür war er rund eineinhalb Jahre inhaftiert, zunächst in Frankfurt, später auf der Mainzer Zitadelle.

Nach seiner Rückkehr nach Oberstein im Jahr 1849 machte sich Peter Drey als Lithograf selbstständig und widmete sich wieder seinem Engagement für den Turnverein. Am 18. April 1850 erwarb Drey die oldenburgische Staatsbürgerschaft und heiratete bereits am 30. April Luise Leyser. Sie bekamen zwei Kinder. 1852 gründete das Ehepaar in der heutigen Hauptstraße 411 ein Geschäft, in dem es Haushalts- Luxus- und Spielwaren zu kaufen gab. Das Spielwarengeschäft existierte unter der Bezeichnung Peter Drey bis vor einigen Jahren.

Um dem Vereinsleben des TV Oberstein neue Impulse zu verleihen und unter dem Eindruck des verheerenden Brandes auf Schloss Oberstein im Jahr 1855 wurde auf Betreiben von Peter Drey das Aufgabenspektrum des Vereins 1857 um das Feuerlöschwesen erweitert. Die Turner-Feuerwehr war die erste freiwillige Feuerwehr Obersteins, Peter Drey wurde Feuerwehrhauptmann und übte dieses Amt bis 1883 aus. Aufgrund der Aktivitäten der Turner-Feuerwehr gilt die Freiwillige Feuerwehr Idar-Oberstein heute als älteste Feuerwehreinheit an der oberen Nahe.

Aber auch mit diesem Engagement war der rührige Geschäftsmann und Vereinsfunktionär noch nicht ausgelastet. Mit seinem früheren Arbeitgeber Jacob Danner gründete er am 8. Mai 1859 eine gemeinsame lithografische Anstalt im Dannersbau. Zwei Jahre später starb Danner, Drey zahlte dessen Witwe aus und wurde alleiniger Inhaber. 1862 gab er einige Ausgaben einer lithografischen Zeitung heraus, die aber nicht lange bestand. Aber offensichtlich hatte Drey Geschmack am Verlagswesen gefunden, denn 1864 erschien die Erstausgabe des Nahethal-Boten. Das Wochenblatt war die erste Lokalzeitung in Oberstein. Doch bereits 1864 verkaufte er die Zeitung wieder und zwar an den Veitsrodter Buchdrucker Julius Hehner.

Eine große Aufgabe lag noch vor Peter Drey. Am 10. Dezember 1876 gründeten er und 77 weitere Personen die Deutschkatholisch-freireligiöse Gemeinde Oberstein, die heutige Freie Religionsgemeinschaft Idar-Oberstein. Peter Drey wurde deren erster Vorsitzender. Am 8. Juli 1894 verstarb Peter Drey nach langer schwerer Krankheit als hoch geachteter und angesehener Bürger Obersteins. Die Familiengrabstätte auf dem Kirchhofshübel ist bis heute erhalten.

Es ist eine beeindruckende Lebensleistung, die Peter Drey vorzuweisen hat, erklärte Oberbürgermeister Zimmer. Sein eigentliches Vermächtnis sei jedoch, dass die von ihm gesetzten Impulse bis heute Bestand hätten. Der TV Oberstein existiert bis heute und ist mit rund 1 300 Mitgliedern der zweitgrößte Verein in der Stadt, so Zimmer. Peter Drey wäre sicherlich stolz auf das umfangreiche und aktive Vereinsleben seines TVO. Auch die Freireligiöse Gemeinde habe sich prächtig entwickelt und sei eine feste Größe im kommunalen Leben, erklärte der OB. Und auch die Freiwillige Feuerwehr gehöre zu den wichtigen Einrichtungen der Stadt, unterstrich Zimmer. Wie um diese Worte zu bestätigen wurde die Abordnung der Feuerwehr währenddessen alarmiert und musste zu einem Kaminbrand in der Wasenstraße ausrücken.

Es war wirklich an der Zeit, dass dieser bedeutende Mann eine öffentliche Würdigung erfährt, erklärte Oberbürgermeister Zimmer und dankte den beiden Vorständen für deren Initiative. Darüber hinaus hat die Freireligiöse Gemeinde auch noch die Gedenktafel gestiftet, die von Stadtplaner Peter Priebe gestaltet wurde.

In seinem Grußwort bezeichnete Gerhard Schneider, Vorsitzender der Freireligiösen Gemeinde, Peter Drey als einen typischen Charakter der Revolutionszeit. Er soll Carl Schurz, dem späteren Innenminister der USA, Unterschlupf während der revolutionären Unruhen gewährt haben und mit Johannes Ronge, dem Gründer des Deutsch-Katholizismus, bekannt gewesen sein. Die von Peter Drey gegründete Freireligiöse Gemeinde sei mittlerweile eine der größten in Deutschland, erklärte Schneider und wies darauf hin, dass man am Sonntag in einer weiteren Feierstunde dem Gründer nochmals gedenken werde.

Es wird zukünftig eine unserer Aufgaben sein, unseren Mitbegründer, einen der bedeutendsten Bürger Obersteins, wieder etwas mehr im Bewusstsein unserer Mitglieder und Mitbürger zu verankern, erklärte TVO-Vorsitzender Bernd Pohl. Peter Drey war von 1862 bis 1878 Vorsitzender des TV Oberstein, später dessen Ehrenvorsitzender. Pohl beleuchtete die Zeit Dreys vor dessen Ankunft in Oberstein. Wahrscheinlich wurde er von dem Offenbacher Maler Georg Wilhelm Bode in seinem Wirken inspiriert, denn es bestehen bemerkenswerte Parallelen. Bode war 1832 Mitbegründer des Offenbacher Turnvereins und lange Jahre Kommandant der Offenbacher Feuerwehr. Er errichtete eine lithografische Anstalt, wo er zahlreiche Schüler ausbildete. Vielleicht war Peter Drey einer davon. Für mich ist es jedenfalls bemerkenswert, auf welch fruchtbaren Boden Peter Dreys Ideen und Vorhaben hier in Oberstein fielen, erklärte Pohl und lud die Gäste anschließend zu einer kleinen Feier im Stadttheater ein.