Berührende Tragikomödie provoziert zum Lachen

Preisgekröntes Stück über einen an Alzheimer Erkrankten

Ernst Wilhelm Lenik spielt die Hauptrolle in Florian Zellers Tragikomödie „Vater“. (Foto: © Sabine Haymann)

Zum Abschluss des aktuellen Theaterprogramms der Stadt Idar-Oberstein ist am Sonntag, 15. März 2020, um 19.30 Uhr im Stadttheater die Tragikomödie „Vater“ von Florian Zeller zu sehen. Der französische Dramatiker und preisgekrönte Romancier hat mit seinem Schauspiel die berührende Geschichte des an Alzheimer erkrankten André auf die Bühne gebracht. Konsequent aus dessen Sicht beschrieben, erlebt der Zuschauer zusammen mit André, wie es ist, in eine Welt zu geraten, in der sich ständig alles wandelt. Das 2012 uraufgeführte Schauspiel wurde unter anderem mit dem Prix du Brigadier 2013/2014, Prix Molière 2014 (Bestes Stück) und dem 2. INTHEGA-Preis 2017 ausgezeichnet. Um 18.45 Uhr findet im Bankettsaal des Stadttheaters eine Einführung in das Stück statt.

André ist achtzig Jahre alt und lebt allein in seiner geliebten Pariser Wohnung. Hin und wieder kommt seine älteste Tochter Anna vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Mehr nicht, denn seiner Ansicht nach kann er noch sehr gut selbstständig leben. Weshalb Anna ihm Betreuerinnen in die Wohnung bringt, kann er sich nicht erklären, zumal sie alle etwas verbindet: Sie klauen Gegenstände, mit Vorliebe seine Uhr. Und da er Diebstahl nicht dulden kann, müssen diese Frauen gehen. Anna ist allmählich verzweifelt, will sie doch in Kürze zusammen mit ihrem Freund nach London gehen und ihren Vater daheim gut versorgt wissen. Ihre Hoffnung setzt sie nun in die junge Laura, die André offensichtlich sympathisch findet, als er sie kennenlernt. Am nächsten Morgen aber kann er sich nicht mehr erinnern, wer sie ist und was sie in der Wohnung macht, die ihm ebenfalls verändert erscheint.

Das Besondere an „Vater“ ist die ungewöhnliche Erzählstruktur. Erlebt wird die Handlung nämlich nicht chronologisch, sondern aus der Erlebniswelt des zunehmend verwirrten 80-Jährigen: Wenn er etwa bestimmte Personen nicht mehr erkennt, erkennen sie die Zuschauer ebenfalls nicht, weil sie durch andere Schauspieler dargestellt werden usw. Bald kann weder André noch das Publikum unterscheiden, was Realität, was Wahn oder Wunschvorstellung, was Halluzination oder fixe Idee ist. Das klingt nach einem traurigen Theaterabend? Das Gegenteil ist der Fall. Zellers Text provoziert das Lachen. Die komödiantische Dynamik ergibt sich aus den abrupten Stimmungsschwankungen der Hauptperson.

Nähere Informationen zu den städtischen Kulturveranstaltungen gibt es unter www.kultur.io. Karten sind erhältlich bei den bekannten Vorverkaufsstellen sowie unter www.ticket-regional.de.