Die Abgründe bürgerlicher Männlichkeit

Raffiniertes Theaterstück mit interessanter Einführung

Luc Feit, Heinrich Schafmeister und Leonard Lansink (v. l.) schlüpfen in die Rollen der drei Freunde Serge, Yvan und Marc. (Fotos: Jürgen Frahm)

Galerist Hans Benda präsentiert den Besuchern Interessantes zum Thema Monochrome Malerei und Kunstmarkt. (Foto: Gerhard Cullmann)

Im Rahmen ihres Theaterprogramms präsentiert die Stadt Idar-Oberstein am Sonntag, 2. Februar 2020, um 19.30 Uhr im Stadttheater die Komödie „Kunst“ von Yasmina Reza. In dem raffinierten Drei-Personen-Stück über eine aus den Fugen geratende Männerfreundschaft schlüpfen die bekannten Schauspieler Heinrich Schafmeister, Leonard Lansink und Luc Feit in die Rollen der Freunde Yvan, Marc und Serge. Die Produktion des Euro-Studios Landgraf wurde für den Inthega-Preis 2017 und 2019 nominiert.

Bereits um 18.45 Uhr bietet das Kulturamt im Bankettsaal des Stadttheaters eine ganz besondere Einführung in das Stück an, das sich vordergründig um ein teures, ganz in weiß gehaltenes Gemälde dreht. Im Verlauf des Stückes gerät das eigentliche Kunstwerk zwar eher in den Hintergrund, trotzdem bietet die Komödie einen willkommenen Anlass, den Besuchern Erhellendes zu den Themen Monochrome Malerei, Kunstmarkt und dessen Preismechanismen zu liefern. Hierfür konnte der Künstler und Galerist Hans Benda gewonnen werden, der seit drei Jahren in der Ritterstraße in Idar-Oberstein die Galerie Chrom VI führt, in der er regionale und internationale Kunst präsentiert.

Zum Stück: Marc ist entsetzt, denn sein Freund Serge hat sich ein Bild gekauft. Ein Ölgemälde von etwa ein Meter sechzig auf ein Meter zwanzig, ganz in Weiß. Der Untergrund ist weiß, und wenn man die Augen zusammenkneift, kann man feine weiße Querstreifen erkennen. Aber es ist natürlich nicht irgendein Bild, sondern ein echter Antrios. Für 200.000 Franc, geradezu ein Schnäppchen. Serge liebt das Bild. Natürlich erwartet er nicht, dass alle Welt es liebt, aber zumindest von seinem Freund Marc hätte er das erwartet. Marc ist verunsichert. Er zweifelt am Verstand seines Freundes. Und sucht als Verbündeten den gemeinsamen Freund Yvan. Doch Yvan findet, dass Serge mit seinem Geld machen kann, was er will. Und bald geht es nicht mehr um die grundsätzliche Frage, was Kunst ist, sondern um das Bild, das jeder der drei Freunde sich von den anderen gemacht hat und das nun plötzlich in Frage gestellt ist.

Die geistreichen Gesellschaftskomödien der französischen Autorin Yasmina Reza gehören ohne Zweifel weltweit zum Besten, was das zeitgenössische Theater zu bieten hat. Für ihr drittes Theaterstück „Kunst“ erhielt sie unter anderem den Prix Molière, die höchste Auszeichnung, die ein Autor in Frankreich erhalten kann. Das Publikum amüsiert sich rund um den Globus über die virtuosen, federleichten, aber trotzdem hintergründigen Dialoge voller Esprit, mit denen Reza auf höchst komische Weise um die Abgründe bürgerlicher Männlichkeit kreist.

Nähere Informationen zu den städtischen Kulturveranstaltungen gibt es unter www.kultur.io. Karten sind erhältlich bei den bekannten Vorverkaufsstellen sowie unter www.ticket-regional.de.