Bekannte Schauspieler zu Gast im Stadttheater

Joachim Król und das Orchestre du Soleil bringen die Kindheitsgeschichte von Albert Camus voller Leidenschaft und Emotionen auf die Bühne. (Foto: Remo Fröhlicher)

Luc Feit, Heinrich Schafmeister und Leonard Lansink (v. l.) schlüpfen in die Rollen der drei Freunde Serge, Yvan und Marc. (Foto: Jürgen Frahm)

Im Rahmen ihres Theaterprogramms präsentiert die Stadt Idar-Oberstein Anfang kommenden Jahres zwei spannende Produktionen im Stadttheater Idar-Oberstein. Dabei sind auch mehrere bekannte Schauspieler zu Gast. Zu beiden Veranstaltungen erfolgt jeweils um 18.45 Uhr im Bankettsaal des Stadttheaters eine Einführung in das Stück.

Joachim Król auf den Spuren von Albert Camus

Los geht es am Samstag, 18. Januar 2020, um 19.30 Uhr mit der Produktion „Der erste Mensch – Die unglaubliche Geschichte einer Kindheit“ nach Albert Camus. In dem wahrscheinlich bewegendsten Theaterereignis der Saison zeichnen Joachim Król und das Orchestre du Soleil die Kindheitsgeschichte des Literaturnobelpreisträgers nach.

Die Schule ein Ort, der einem den Blick auf das Leben öffnet? Ein junger Schüler, für den das Lernen ein wildes Abenteuer ist, bei dem ihm täglich neue Welten erschlossen werden? Der kleine Albert Camus hat das so erlebt. Moderne Bildungspolitiker und Pädagogen müssen sich irritiert die Augen reiben, wenn sie seine Geschichte hören. In einem sensationellen erzählerischen Parforceritt entführt Joachim Król sein Publikum in dieser emotionalen Theaterproduktion als Ich-Erzähler in eine Welt voller Armut, Lebensfreude und „natürlicher Schönheit“. Die Musik des Orchestre du Soleil liefert den mitreißenden Soundtrack zu diesem hochaktuellen Stück über das „Abenteuer Bildung", an dessen Ende ein Mann, der als Kind in einer Familie  von Analphabeten aufwächst, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird.

In seinem autobiographischen Roman „Der erste Mensch" begibt sich Albert Camus auf die Suche nach seinem Vater, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist und den er nie kennengelernt hat. Damit beginnt für den Erzähler eine Reise zurück in seine Kindheit. Er kehrt heim in die Hitze Algiers, in die Armut und die Unschuld. Er lässt seine Kindheit Revue passieren, beschreibt – so humorvoll wie berührend und in einer Sprache von poetischer Schönheit – die freie Schwerelosigkeit am Strand, in der Sonne, im Meer. Er erzählt von seiner schweigsamen Mutter im Armenviertel Algiers und der dominanten Großmutter, die nur durch die Unterstützung seines Volksschul-Lehrers davon überzeugt werden kann, dass der Junge ins Gymnasium gehört. Dort begreift er, „dass ich alles, was ich wollte, erreichen würde, und dass nichts, was von dieser Welt ist, mir jemals unmöglich sein würde."

Die Abgründe bürgerlicher Männlichkeit

Am Sonntag, 2. Februar 2020, um 19.30 Uhr ist die Komödie „Kunst“ von Yasmina Reza zu sehen. In dem raffinierten Drei-Personen-Stück über eine aus den Fugen geratende Männerfreundschaft schlüpfen die bekannten Schauspieler Heinrich Schafmeister, Leonard Lansink und Luc Feit in die Rollen der Freunde Yvan, Marc und Serge. Die Produktion des Euro-Studios Landgraf wurde für den Inthega-Preis 2017 und 2019 nominiert.

Marc ist entsetzt: Sein Freund Serge hat sich ein Bild gekauft. Ein Ölgemälde von etwa ein Meter sechzig auf ein Meter zwanzig, ganz in Weiß. Der Untergrund ist weiß, und wenn man die Augen zusammenkneift, kann man feine weiße Querstreifen erkennen. Aber es ist natürlich nicht irgendein Bild, sondern ein echter Antrios. Für 200.000 Franc, geradezu ein Schnäppchen. Serge liebt das Bild. Natürlich erwartet er nicht, dass alle Welt es liebt, aber zumindest von seinem Freund Marc hätte er das erwartet. Marc ist verunsichert. Er zweifelt am Verstand seines Freundes. Und sucht als Verbündeten den gemeinsamen Freund Yvan. Doch Yvan findet, dass Serge mit seinem Geld machen kann, was er will. Und bald geht es nicht mehr um die grundsätzliche Frage, was Kunst ist, sondern um das Bild, das jeder der drei Freunde sich von den anderen gemacht hat und das nun plötzlich in Frage gestellt ist.

Die geistreichen Gesellschaftskomödien der französischen Autorin Yasmina Reza gehören ohne Zweifel weltweit zum Besten, was das zeitgenössische Theater zu bieten hat. Für ihr drittes Theaterstück „Kunst“ erhielt sie unter anderem den Prix Molière, die höchste Auszeichnung, die ein Autor in Frankreich erhalten kann. Das Publikum amüsiert sich rund um den Globus über die virtuosen, federleichten, aber trotzdem hintergründigen Dialoge voller Esprit, mit denen Reza auf höchst komische Weise um die Abgründe bürgerlicher Männlichkeit kreist.

Nähere Informationen zu den städtischen Kulturveranstaltungen gibt es unter www.kultur.io. Karten sind erhältlich bei den bekannten Vorverkaufsstellen sowie unter www.ticket-regional.de.