Idar-Oberstein erhält ein Klimaschutzkonzept

Rund 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an der Auftaktveranstaltung zur Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes für Idar-Oberstein.

Gut besucht war die öffentliche Auftaktveranstaltung zur Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes für die Stadt Idar-Oberstein. Rund 60 Interessierte waren der Einladung gefolgt und nahmen in der Göttenbach-Aula die Möglichkeit war, sich im Rahmen der Bürgerbeteiligung in den Prozess einzubringen.

In seiner Begrüßungsansprache unterstrich Bürgermeister Friedrich Marx die große Bedeutung der Themen Klimaschutz und Energieeffizienz. „Die Stadt Idar-Oberstein beteiligt sich seit Anfang 2013 an der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes, in diesem Rahmen wurde auch die Stelle einer Klimaschutzmanagerin geschaffen, die seit April 2016 mit der sehr engagierten Julia Besand besetzt ist“, so Marx. Die bisher befristete Stelle wurde erst jüngst vom Stadtrat in eine unbefristete umgewandelt, so dass die Aufgabe dauerhaft in die Verwaltungsabläufe implementiert wird.

Der Bürgermeister wies auch darauf hin, dass schon 2013/2014 ein Klimaschutzteilkonzept für die städtischen Liegenschaften erstellt wurde, das seither sukzessive umgesetzt wird. In diesem Rahmen wurden seither bereits zahlreiche Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und zur Verringerung der CO2-Emissionen durchgeführt, weitere sind in Planung. So hat die Stadt erst kürzlich einen Förderbescheid des Landes über 1,33 Millionen Euro erhalten. Mit den Bundes- und Landesmitteln wird die in diesem und im kommenden Jahr anstehende energetische Sanierung der Verwaltungsgebäude bezuschusst.

Marx führte aus, dass das Thema Klimaschutz sich in vielen unterschiedlichen Bereichen niederschlägt: Bereits im Jahr 2016 beschloss der Stadtrat ein Energie- und Klimapolitisches Leitbild und auch der Masterplan ‚Vision 2030‘, in den zahlreiche Aspekte der Öffentlichkeitsbeteiligungen im Rahmen der Standortentwicklung ‚Gemeinsam für Idar-Oberstein‘ und des Bund-Länder-Programms ‚Aktive Stadt‘ einflossen, widmet dem Thema einen eigenen Abschnitt. „Und mit der heutigen Veranstaltung fällt der Startschuss für die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes für die gesamte Stadt Idar-Oberstein“, erklärte Marx. Dabei komme dem Instrument der Bürgerbeteiligung ein hoher Stellenwert zu, denn man wolle möglichst viele Bevölkerungsgruppen in den Entscheidungsprozess einbinden: „Jeder Einzelne kann seinen Teil dazu beitragen, energiebewusstes Handeln muss eine Gemeinschaftsaufgabe für alle Bürgerinnen und Bürger werden.“

Nach der Ansprache von Bürgermeister Marx stellte Daniel Jung von der EnergyEffizienz GmbH die Bausteine des Klimaschutzkonzeptes für die Stadt Idar-Oberstein vor. Das in Lampertheim ansässige Unternehmen ist in den Bereichen Kommunalberatung und Gebäudeoptimierung tätig und hat bereits zahlreiche Energie-, Klimaschutz- und Quartierskonzepte für Kommunen erstellt. Derzeit sind die Mitarbeiter dabei, die aktuellen Energieverbräuche und die daraus resultierenden CO2-Emissionen in den Bereichen private Haushalte, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen, kommunale Liegenschaften und Straßenbeleuchtung sowie Verkehr und Mobilität zu ermitteln. Diese Daten bilden dann die Grundlage für weitere Analysen. Die Datenermittlung ist zwar noch nicht abgeschlossen, es haben sich aber bereits einige interessante Aspekte herauskristallisiert. So entspricht die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen in Idar-Oberstein nur etwa 3 Prozent des Gesamtstromverbrauchs der Stadt, der Bundesdurchschnitt liegt bei rund 36 Prozent. Auch die Wärmeerzeugung für die kommunalen Einrichtungen erfolgt aktuell zu über 85 Prozent durch fossile Energieträger, davon zu 36 Prozent durch Ölheizungen. „Wir sehen also einen großen Handlungsbedarf in den beiden Sektoren Strom und Wärme“, unterstrich Jung.

Anschließend starte die Akteursbeteiligung, die unter anderem auf die Identifikation von geeigneten Maßnahmen, die Vereinbarung von gemeinsamen Zielen sowie die Erhöhung von Akzeptanz und Motivation zur Umsetzung der vereinbarten Ziele und Projekte abzielt. Hierzu hatten die Mitarbeiter der EnergyEffizienz GmbH insgesamt fünf Thementische vorbereitet. An diesen konnten sich die Teilnehmer zu den Themenkomplexen ‚Sanierung privater und öffentlicher Gebäude‘, ‚Erneuerbare Energien: Strom und Wärme‘, ‚Nachhaltige Mobilität‘, ‚Klimaschutz und Stadtentwicklung – wie passt das zusammen?‘ sowie ‚Effizienzsteigerung im Gewerbe‘ austauschen und konkrete Vorschläge und Maßnahmen einbringen. Die gesammelten Ideen der Teilnehmer fließen in den Prozess zur Erstellung des Klimaschutzkonzeptes ein. Hierzu sind auch noch weitere öffentliche Veranstaltungen vorgesehen, bei denen die Maßnahmenentwürfe präsentiert, diskutiert und priorisiert sowie auch die fertige Energie-und CO2-Bilanz vorgestellt werden sollen.