Start des Theatersommers 2018

Starke Geschichten unter freiem Himmel

"Kleine Frau, was nun?" (Foto: Helmut Dudenhöffer)

"Kohlhaas" (Foto: Andreas Kermann)

"Macbeth" (Foto: ADG Europe)

Kommende Woche beginnt der diesjährige Theatersommer Idar-Oberstein. Auf dem Programm stehen insgesamt sechs Produktionen, die an unterschiedlichen Spielstätten im Stadtgebiet aufgeführt werden. Die ersten drei Veranstaltungen sind Freilichtaufführungen auf dem Schloss sowie in der Fußgängerzone Oberstein. Das Festival wird gefördert von der Kreissparkasse Birkenfeld, der OIE AG, der Firma Effgen und dem Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz.

Eine Pfälzerin schnuppert Berliner Luft

Der Theatersommer startet am Freitag, 24. August 2018, um 20 Uhr auf Schloss Oberstein mit dem Schauspiel „Kleine Frau was nun? Der Weg in die Weimarer Republik“ des Chawwerusch Theaters. Es beleuchtet ein wichtiges Jubiläum der Deutschen Geschichte: 100 Jahre Weimarer Republik. In Anlehnung an Hans Falladas „Kleiner Mann, was nun?“ fordert das Stück dazu auf, sich die Errungenschaften unserer Demokratie zu vergegenwärtigen und sie nicht allzu leicht aus den Augen zu verlieren.

1918 war ein deutsches Schicksalsjahr: Der Erste Weltkrieg ist verloren, der Kaiser dankt ab, in Berlin wird die Republik ausgerufen. In gewisser Weise wird alles auf Anfang gesetzt, niemand weiß, wie es weitergehen wird. Ausgerechnet in dieser Situation ist Luise gezwungen, ihre geliebte Heimat zu verlassen. Hals über Kopf flieht sich aus der Pfalz nach Berlin zu „Tante Berta“, einer entfernten Bekannten. Diese schwärmt zwar immer noch von „dehääm“, ist aber mehr als angekommen und führt florierende Geschäfte in der Großstadt. Mit ihr lernt Luise eine wirklich selbstständige Frau kennen, die ihr auch im Nu eine Arbeitsstelle verschafft.

Aber Luise bleibt in der quirligen Metropole keine Zeit, sich eine eigene kleine Heimat aufzubauen. Zu viele verwirrende Erfahrungen und neue Bekanntschaften zwingen sie dazu, liebgewonnene Selbstverständlichkeiten zu überdenken. Die flammenden Reden von Paula, die endlich die Gleichberechtigung für Frauen erkämpfen will, oder die basisdemokratischen Träume von Willi, der trotz seiner pazifistischen Haltung angegriffen und verletzt wird, sind nur zwei Beispiele für die vielen neuen Eindrücke, die Luise vom Berliner Pflaster aufsammelt. Ein launiger Erzähler führt durch das Geschehen und fasst griffig zusammen, wo die geschichtlichen Zusammenhänge kompliziert werden. Klangvoll ausgemalt wird die bunte Welt der Großstadt von dem international bekannten russischen Pianisten Dmitrij Koscheew, der die Bühnenmusik komponiert hat.

Aufstieg und Fall eines Tyrannen

Am Montag, 27. August 2018, um 19 Uhr präsentiert das TNT Theatre Britain auf Schloss Oberstein William Shakespeares Drama „Macbeth“ in englischer Sprache. Shakespeares Meisterwerk wirft immer noch aktuelle Fragen auf: Muss Macht korrumpieren und zu schrecklichen politischen und menschlichen Tragödien führen?

„Macbeth“ war die erste Shakespeare-Produktion von TNT unter der Regie von Paul Stebbings. Sie war und ist so erfolgreich, dass sie seit 2001 ständig neu aufgelegt und bisher weltweit in über vierzig Länder auf vier Kontinenten gespielt wurde. Obwohl die Handlung des Stücks tiefgründig und komplex ist, ist die Darstellung sehr unterhaltsam: es ist ein Thriller, ein Kriegsbericht, eine Romanze, ein Albtraum, eine Horrorgeschichte und eine kraftvolle Darstellung des Übernatürlichen.

Mit großartigem Körpertheater, viel Esprit und einem überaus lebendigen Zusammenspiel setzen die Schauspieler die menschlichen Abgründe des Stücks in Szene. Die Produktion bleibt nah am Original und wird nicht durch moderne Zutaten verfälscht. Es ist aber auch keine altmodische Inszenierung, die Partitur von Paul Flush treibt das Stück voran und schafft eine überzeugende Klangtextur von fast filmischer Qualität.

Theater im Öffentlichen Raum

Das Stück „Kohlhaas“ des Theaters Grotest Maru basiert auf der Novelle von Heinrich von Kleist. Am Freitag, 31. August 2018, um 20 Uhr siedelt es die Gruppe aus Berlin als Stationenspiel in der Fußgängerzone im Stadtteil Oberstein an. Die Geschichte von Michael Kohlhaas, dem Pferdehändler aus Brandenburg, spielt Mitte des 16. Jahrhunderts. Sie dreht sich dramatisch um das zeitlose Thema der Gerechtigkeit.

Auf einer Handelsreise wird Kohlhaas durch den Junker Wenzel von Tronka willkürlich schikaniert. Als er von der Obrigkeit in Dresden Gerechtigkeit verlangt, wird er bitter enttäuscht. Man hilft ihm nicht, seine Frau wird umgebracht. Erfüllt von rasendem Schmerz und von den Machthabenden alleine gelassen, zieht Kohlhaas mit der Forderung nach Gerechtigkeit in einen blinden und grausamen Rachefeldzug. In Leipzig erwirkt Kohlhaas ein Treffen mit Luther und erreicht, dass dieser beim Kurfürsten ein gutes Wort für ihn einlegt. Schließlich kommt es in Dresden also doch noch zu einem Prozess gegen Wenzel, der Schadensersatz leisten muss. Kohlhaas muss sich jedoch auch für seine Taten verantworten und wird zum Tode verurteilt.

Die Vorstellung beginnt an Gilsbachs Eck, Ende ist am Fuße der Felsenkirche. Ein wortgewandter Erzähler führt zu den einzelnen Schauplätzen und vermittelt die Geschichte hautnah, Schauspieler und Publikum lassen sich gemeinsam auf eine Reise zu der brisanten Frage nach Gerechtigkeit und Solidarität ein. Heiligt der Zweck die Mittel? Wie lange halten wir an Prinzipien fest?

Karten und Infos

Karten sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen oder unter www.ticket-regional.de erhältlich. Inhaber der OIE Card erhalten einen um 10 Prozent ermäßigten Eintritt. Die Aufführungen finden bei Regen im Stadttheater statt. Für die Veranstaltungen auf dem Schloss steht ab eine Stunde vor Vorstellungsbeginn ein Bus-Shuttle zur Verfügung, auf dem Parkplatz der Stadtverwaltung kann kostenlos geparkt werden. Weitere Informationen unter www.idar-oberstein.de.