Auch Deutsche unter den Opfern

Das Dokumentartheaterprojekt beschäftigt sich mit dem NSU-Prozess, dem größten deutschen Strafprozess seit der Wiedervereinigung. (Foto: Stefan Loeber)

Am Samstag, 5. Mai 2018, um 10 Uhr zeigt das Zimmertheater Tübingen das Dokumentartheater „Auch Deutsche unter den Opfern“, das 2017 schon im Rahmen des Theatersommers gastierte, noch einmal im Stadttheater Idar-Oberstein. Für die Schulveranstaltung, die von den Mittelstufenschülern und dem Kollegium der IGS Herrstein-Rhaunen besucht wird, sind noch Restkarten an der Tageskasse erhältlich. Die Veranstaltung der Stadt Idar-Oberstein wird durch die Gastspielförderung ECHT JETZT! des Theatersommers Rheinland-Pfalz gefördert.

53 Seiten umfasste die Aussage, die Beate Zschäpe nach vier Jahren Untersuchungshaft dem Gericht vorlesen ließ. Angeklagt ist sie unter anderem wegen Mittäterschaft in zehn Mordfällen sowie Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Doch wirklich Licht ins Dunkel bringt ihre Erklärung nicht. Bestand der NSU nur aus drei Mitgliedern (Uwe Mundlos, Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt) und können diese wirklich vollkommen autonom über elf Jahre hinweg die Straftaten begangen haben? Oder gab es Unterstützer und Helfershelfer? Wenn ja, wer waren diese? Wie viel wusste der Staat – in Form des Verfassungsschutzes? Und wurde vielleicht sogar aktiv von den Ermittlern weggeschaut und die Täter nur im Bereich organisierte Kriminalität vermutet, oder gab es wirklich keine ausreichenden Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund? Und die drängendste Frage für die Angehörigen der Opfer: „Warum wurden ausgerechnet unsere Liebsten von den Mördern ausgewählt?“

Der beeindruckende Strafprozess, der größte seit der deutschen Wiedervereinigung, bemüht sich schon seit mehr als 400 Verhandlungstagen um Aufklärung. Doch inwieweit ist die Politik an einer lückenlosen Aufarbeitung interessiert? Schließlich „hat man die Angeklagten ja schon“, und es handelt sich bei den rechtsextremen Terroristen lediglich um „eine singuläre Vereinigung von drei Personen“. Käme man genauso schnell zu diesem Beschluss, wenn es sich bei den Opfern um Deutsche ohne Migrationshintergrund handeln würde?

Tuğsal Moğul ist Schauspieler, Theatermacher, Anästhesist und Notarzt. Er studierte neun Jahre parallel Medizin an den Universitäten Hannover, Wien und Lübeck sowie Schauspiel an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Er verfolgte den NSU-Prozess in München über Monate und entwickelte daraus gemeinsam mit seinem Team am Theater Münster das Stück „Auch Deutsche unter den Opfern“ als Dokumentartheaterprojekt. Es gewann 2016 den Monica-Bleibtreu-Preis in der Kategorie „Zeitgenössisches Drama“. Für das Zimmertheater Tübingen inszenierte Sapir Heller das Stück. Auch sie begleitete den NSU Prozess, um die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse in die Inszenierung einfließen zu lassen. Die junge Regisseurin, die ihre Ausbildung an der August Everding-Akademie in München erhielt, hat eine originelle Bildsprache gefunden, die die Rolle des Staates auf absurde Weise hinterfragt.

Der Eintritt kostet für Schüler und Auszubildende 12 Euro, für Erwachsene 18 Euro. Weitere Informationen beim Kulturamt Idar-Oberstein unter Telefon 06781/64884.