Themenwege dokumentieren die Stadtgeschichte

Gelungener Infotag in der Obersteiner Innenstadt

Zahlreiche Interessierte nutzen die Gelegenheit, sich über die aktuellen Projekte im Rahmen des Programms „Aktive Stadt – Innenstadt Oberstein“ zu informieren.

Heidrun Wobito und Kevin Keller von der Stadtplanung hatten noch am Tag vor der Veranstaltung den Treppenaufgang zur Burggasse verschönert.

Stadtarchivar Manfred Rauscher, Designerin Sabine Schindler, Alt-OB Bruno Zimmer, Bauamtsleiterin Christine von der Burg, Oberbürgermeister Frank Frühauf, Historikerin Dr. Regina Geiß-Dreier, Stadtplaner Kevin Keller und der Geschäftsführer der Meng GmbH, Rainer Meng, (v. l.) freuten sich über die gelungene Realisierung der Themenwege. (Foto: Hosser)

Zum Tag der Städtebauförderung am vergangenen Samstag hatte die Stadtverwaltung Idar-Oberstein ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Im früheren Geschäftshaus in der Hauptstraße 373a, das derzeit zum neuen Bildungs- und Begegnungszentrum der Stadtbücherei umgebaut wird, konnten sich Interessierte über die zahlreichen Maßnahmen, die im Rahmen des Programms „Aktive Stadt – Innenstadt Oberstein“ umgesetzt wurden und noch werden, informieren. Außerdem wurden mit dem Edelsteinweg und dem Bengelweg zwei historische Stadtrundgänge eröffnet, die die Geschichte Obersteins von der Gründung im Mittelalter bis zur Neuzeit erlebbar machen.

Neue Stadtbücherei im Herzen der Innenstadt

Viel Mühe hatten sich die Mitarbeiter des Bauamtes und des Gebäudemanagements bei der Organisation des Tages der Städtebauförderung gemacht. Allen voran Kevin Keller und Heidrun Wobito von der Stadtplanung, die sogar am Freitag noch die Verbindungstreppe zwischen Fußgängerzone und Burggasse mit bunten Farben gestrichen hatten. Zentrale Anlaufstelle des Infotages war das ehemalige Krieger-Elektra-Gebäude, in dem derzeit die neue Stadtbücherei entsteht. Bereits im Eingangsbereich wurden die Besucher durch bunte Luftballons, rote „Mein Idar-Oberstein“-Herzchen und die Autorengruppe Nahe empfangen. Die Schriftsteller wiesen mit einem Bücherstand und zahlreichen an Wäscheleinen drapierten Texten auf den geplanten Lyrischen Themensteig hin. Im Gebäude selbst führten Judith Losert und Carsten Horbach vom Gebäudemanagement sowie Büchereileiterin Sandra Ley die Besucher durch die Baustelle und erläuterten die Planungen für die neue Bibliothek. Die Eingangsebene auf Höhe der Fußgängerzone wird mit Counter, öffentlichen Bildschirmarbeitsplätzen und einem gemütlichen Lesecafé gestaltet. Im Stockwerk darunter wird der eigentliche Büchereibereich mit dem Großteil der Medien eingerichtet. Außerdem soll es dort eigene Refugien für Kinder und Jugendliche geben. Das zweite Untergeschoss, auf Höhe der Austraße, wird einen Schulungs- und Seminarraum beherbergen. Das Gebäude ist durch einen Aufzug barrierefrei zugänglich, auch die Treppenverbindung zwischen Austraße und Fußgängerzone wird wieder hergestellt. Wenn bei der Baumaßnahme alles optimal läuft, könnte die neue Bücherei Ende des Jahres eröffnet werden.

Themenwege dokumentieren Geschichte und Geschichten

Auf große Resonanz stieß auch die Eröffnung der beiden neuen Themenwege. Am Obersteiner Marktplatz konnte Oberbürgermeister Frank Frühauf hierzu zahlreiche Besucher begrüßen. Dabei wies der OB zunächst auf die Projekte hin, die bereits im Rahmen des Programms „Aktive Stadt“ umgesetzt wurden – darunter die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes und die derzeitig laufende Sanierung innerhalb des Bahnhofsgebäudes – und die noch in Planung sind. Auch die Realisierung des Edelsteinweges und des Bengelweges erfolgte im Zuge der „Aktiven Stadt“.

Bauamtsleiterin Christine von der Burg blickte ebenfalls kurz auf das seit 2011 laufende Förderprogramm zurück. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wurden damals in mehreren Arbeitsgruppen für die Stadtentwicklung wichtige Projekte definiert. Eines davon waren eben die historischen Themenwege, die nunmehr nach intensiver Vorbereitung realisiert wurden. Sie sollen sowohl Einheimischen als auch Besuchern die Geschichte des Stadtteils Oberstein beziehungsweise des Industriedenkmals Jakob Bengel näher bringen. „Ich wünsche mir, dass diese Stelen nicht nur die Entwicklung der Stadt dokumentieren, sondern uns auch deren Schönheit und Potential wiederentdecken lassen“, so von der Burg.

Einen maßgeblichen Anteil an der Realisierung der Themenwege hat Dr. Regina Geiß-Dreier, die die vielfältigen auf den Stelen dargestellten Informationen recherchiert und zusammengetragen hat. Dabei arbeitete sie eng mit Manfred Rauscher vom Stadtarchiv zusammen und führte viele intensive Gespräche mit weiteren Kennern der Stadtgeschichte, wie ihrem Vater Paul Geiß, dem leider kürzlich verstorbenen Alfred Peth oder Dieter Jerusalem. Das Stadtbauamt grub alte Karten und Pläne aus, weitere Institutionen steuerten historische Fotos bei. „Schließlich hatten wir so viel Material, dass uns die Auswahl schwer fiel“, so Geiß-Dreier. Die grafische Aufbereitung des Materials und die Gestaltung der Stelen erfolgte durch Sabine Schindler von der Agentur alea-design, die Herstellung durch die Informationstechnik Meng GmbH aus Birkenfeld. „Ein gutes Team hat für die Umsetzung dieses Projektes gesorgt“, bedankte sich Dr. Regina Geiß-Dreier bei allen Mitwirkenden für die hervorragende Zusammenarbeit.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Edelsteinweg führt mit insgesamt 16, der Bengelweg mit 5 Stationen über die weitgehend barrierefrei gestalteten Stadtrundgänge. Die Stelen sind jeweils auf Vorder- und Rückseite mit Informationen versehen. Neben Überschrift und Haupttext sind das auch „Facetten“ – kleine Anekdoten, Portraits von Personen oder Mundartausdrücke – und beim Edelsteinweg auch stets ein Schmuckstück oder Edelstein. Ebenso sind Kartenausschnitte und Fotos, die den früheren Zustand des jeweiligen Standortes zeigen, hinterlegt. Dadurch ergibt sich ein interessanter Vergleich zwischen früher und heute. Mittels eines QR-Codes auf jeder Stele können sich Besucher die Texte in englischer, französischer und niederländischer Sprache auf dem Smartphone anzeigen lassen. „Das spart uns teure Audio-Guides“, erklärte Geiß-Dreier.